Stefanie Heidtmann Blog

Wenn Du Dich AUSGEBREMST fühlst, solltest Du DAS tun

Denkt der Kuckuck auf dem Baum im Wald:

„Du solltest ein paar Pfund abnehmen.“?

Sagt die Blume am Wegesrand:

„Was für Klamotten hast Du eigentlich wieder an!“?

Kommentiert der Berg Deinen Weg: „Alter, Du warst auch schon fitter unterwegs.“?
NEIN!
Tun sie natürlich nicht! Natur ist ohne Bewertung.

Menschen hingegen sind schnell parat mit Klebern und Schubladen. Mit Beurteilungen und Verunglimpfungen.
Die Menschen um Dich herum schleudern nur so um sich mit ihren Bewertungen, Kategorisierungen, Projektionen, Annahmen und Erwartungen. Lauthals oder gedacht. In Form von Werbung, direkter Kritik oder mit Blicken. In Form von Mobbing, Beförderungen oder Einladungen zu mehr oder weniger wichtigen Events.


standardisierte Reaktionen


Du bist ständig diesen, nennen wir es an dieser Stelle der Einfachheit halber mal ‚Energien‘, ausgesetzt. Und was Du von Kindesbeinen an lernst ist, dass Du Dich dem Ganzen entweder
a) fügst, indem Du Dich anpasst und alles ‚richtig‘ machst
b) widersetzt, indem Du mit voller Absicht genau das Gegenteil von ‚richtig‘ machst
c) oder entziehst, indem Du entweder physisch real oder rein träumerisch in eine andere Welt flüchtest.

Keine dieser standardisierten Reaktionen ist schlecht. Aber alle verhindern sie, dass Du DU bist bzw. wirst.

Wie sollst Du Dich ausleben und ausdrücken, wenn Du Dir ständig Gedanken darüber machst, was die ANDEREN darüber denken?

Du bist also vollauf damit beschäftigt auf die Erwartungen anderer zu reagieren. Damit fehlt Dir die Zeit, herauszufinden, wer Du bist. Zu erforschen, was Du gut findest und WAS DU WIRKLICH BRAUCHST, um völlig Du zu sein. Wir halten uns damit taub und somit kann es sein, dass ein latentes Gefühl von irgendwas fehlt mir in meinem Leben bei Dir rumhängt. Denn es bist Du, der Dir fehlt. Du hast keinen Kontakt zu Dir selber.

Warnung: Es kommen nun ein paar echt unangenehme Fragen. Wenn Du mehr über Dich erfahren möchtest, dann nimm Dir die Zeit und beantworte sie. Wenn Du willst, dass Dein Leben genau so bleibt wie es ist, dann beantworte sie auf keinen Fall.

Frage 1:

Warum hast Du den Beruf (Studium / Ausbildung) ergriffen, den Du gerade ausübst?

Waren es die Verdienstaussichten? War es das Prestige, das am Titel hängt? Waren es die ausgesprochenen oder unausgesprochenen Erwartungen Deiner Familie? Wurde Dir gesagt, Du seist genau dafür gemacht? Oder vielleicht wurde Dir ja auch gesagt, was Du alles angeblich nicht kannst und Du hast Dich deshalb für einen ‚einfacheren‘ Job entschieden.
Oder hast Du aus vollem Herzen heraus gewählt, weil Du einfach WUSSTEST, dass Du GENAU DAFÜR auf dieser Erde bist?

Frage 2a): Warum bist Du mit genau dem Partner zusammen, mit dem Du gerade zusammen bist?

(Für Singles ist die nächste Frage 2b))
Bietet Dir der Partner (vermeintliche) finanzielle Sicherheit? Wertet Dich Dein Partner durch seinen Stand in der Gesellschaft auf? Konntest Du Deinen Partner jemandem Wegschnappen, der auch scharf auf diese Person war? Bist Du schon zu lange mit diesem Menschen zusammen, als dass Dein Umfeld, Deine Familie oder Freunde es verstehen würden, wenn Du Dich trennst? Bist Du mit ihm / ihr zusammen, weil Du gar nichts anderes mehr denken kannst? Weil Single-Sein einfach uncool ist oder der Beweis dafür, dass Du es nicht ‚geschafft‘ hast. Weil Du Angst hast, einsam und alleine zu sein? Oder vielleicht tut Dir Dein Partner leid. Ohne Dich kann er es nicht schaffen und wird ein jämmerliches Dasein fristen?

Oder hast Du Dich ganz bewusst für diese Partnerschaft entschieden, weil genau dieser Mensch Dich so sein lässt wie Du bist? Weil Du bereit bist, durch Dein Sein und Wesen diesen Menschen darin zu unterstützen noch größer, schöner und präsenter zu werden? Weil Du bereit bist alles zu geben, dass Eure Partnerschaft Euch dient, nährt und größtmögliche Freude im Leben beschert?

Frage 2b): Warum bist Du nicht in einer Partnerschaft?

Ist es viel zu anstrengend sich auf die Bedürfnisse eines anderen Menschen einzustellen und einzulassen? Hat Dich einfach keiner lieb und Du bist “too stupid for business, too ugly for love“ * ? Hast Du keine Zeit für eine Partnerschaft?

Oder hast Du Dich mit voller Klarheit und Liebe für ein Leben mit Dir entschieden? Bist Du Dir Dein bester Freund und weißt ganz genau, dass Du ohnehin mit allen Menschen auf diesem Planeten verbunden bist?

Frage 3: Warum kleidest Du Dich genau so, wie Du Dich kleidest?

Weil es vorgeschrieben ist? Weil sonst andere komische Gedanken über Dich denken könnten? Weil es ‚in‘ ist? Weil Du Dir nichts anderes leisten kannst?

Oder weil Du genau weißt, worin sich Dein Körper am wohlsten fühlt? Weil Du morgens Deinen Körper aus dem Kleiderschrank wählen lässt, genau so, wie Du ihn hast wählen lassen, als ihr shoppen wart.

Frage 4: Warum isst Du genau die Dinge (nicht), die Du (nicht) isst?

Weil sie gesund sind? Weil Dein Körper andere Dinge nicht verträgt? Weil sie billiger sind? Weil sie Einfluss auf Dein äußeres körperliches Erscheinungsbild haben? Weil sie (nicht) auf dem Tisch stehen?

Oder weil Du Deinen Körper gefragt hast, was er haben möchte? Weil Du verbunden bist mit der Weisheit Deines Körpers und es für Dich gar keine Frage ist, was gut für Dich ist?

Ich denke, dass Du inzwischen verstanden hast, worauf ich hinaus will. Die Essenz all dieser Fragen geht auf die Frage zurück:

Wer bist Du und was brauchst Du, um vollständig Du zu sein?

Unser Leben wäre um ein Vielfaches leichter und einfacher, wenn wir wüssten was wir wollen und uns dies auch zugestehen würden.


Individualität & Bewertung


 

„Moment, Moment!“, denkt es jetzt vielleicht in Dir. „Selbstverständlich weiß ich, was ich will und ich gestehe mir das auch zu. Immerhin habe ich genau das Auto, das ich fahren will, habe mir genau das Haus gebaut, das ich immer bauen wollte und fahre jedes Jahr woanders in den Urlaub.“ Das bringt mich zu der Frage, was Individualität eigentlich bedeutet. Und um gleich meine Meinung hinterherzuschieben: Ich glaube nicht, dass Individualität bedeutet, dass man sich sein Auto-Modell oder die Krawattenfarbe wählt. Ich glaube auch nicht, dass es bedeutet, einen gravierten Füller zu besitzen oder spezial-importierte Designer-Lampen aus Japan.

Individualität ist viel viel individueller. Jeder von uns ist einzigartig. Doch verbergen wir diese Tatsache hinter Markenkonsum und Kernfamilie. Hinter Pay-TV und Fußball-Club. Der Mut, wirklich das zu leben, was Dich besonders macht, ist unter die Räder gekommen. Unter die Räder der Gesellschaft, in der ich zu hören bekomme, dass 4-Jährige im Kindergarten nicht in die Vorschule dürfen, weil sie zur Einschulung sonst zu viel wissen. Eine Gesellschaft, die verlangt, dass alle 6 Jährigen schreiben lernen und Günther Jauch als weisen Mann feiert.

Diese Gesellschaft maßt sich an, Kinder vom Schuleintritt bis zum Schulabschluss zu bewerten. Woher zum Geier kommt die Berechtigung dafür? Stell Dir vor, morgen kommt Dein Chef zu Dir und bewertet alles was Du den lieben langen Tag so arbeitest. Oder Dein Partner gibt Dir Noten für Dein Betragen in der Partnerschaft und die Sauberkeit in der Küche (von Deinem Verhalten im Bett reden wir jetzt mal gar nicht…).
Wie bitte??
Früh schon fällt das Kind (bzw. die Individualität) in den Brunnen. Bereits im zarten Kindesalter beginnt es zur Normalität zu werden, dass andere über uns urteilen. Und das macht was mit uns. Auch wir wachsen in dieses Schema von bewerten hinein. Statt frei von Beurteilungen auszuprobieren und zu forschen, und zwar so lange bis ich meinen Kern, meine Berufung, meine Stärken und Leidenschaften entdeckt habe, versuche ich möglichst wenig negative Bewertungen abzubekommen. Möglichst selten dem Gefühl ausgesetzt zu sein, dass ich anders bin als die anderen.
Willkommen im Mainstream. Willkommen in der Gleichschaltung, Volkswagen, Autobahn und Reinheitsgebot.


Die Lösung: interessante Ansicht!


Wenn Du mir bis hierher mit meinen Ausführungen gefolgt bist, dann fragst Du Dich vermutlich langsam: „Das ist ja soweit alles stimmig. Aber was kann ich denn nun mit dieser Erkenntnis anfangen? Wie kann ich was ändern?“

Nichts leichter als das.

Ich gebe Dir heute ein Werkzeug, um aus diesem Teufelskreis von bewerten und bewertet werden auszubrechen.

Es lautet: Interessante Ansicht.

Dieses Werkzeug kommt immer dann zum Einsatz, wenn Du wahrnimmst, bzw. wahrzunehmen glaubst, dass Dich jemand bewertet. Dann denkst Du Dir: „Interessante Ansicht.“.
Wenn jemand seinen Ärger oder Unmut auf Dich projiziert, denkst Du: „Interessante Ansicht.“
Wenn jemand sich in seiner Opferhaltung suhlt und um Aufmerksamkeit damit heischt, denkst Du, oder wenn Du schon fortgeschritten bist, sagst Du: „Interessante Ansicht.“

Dadurch, dass “interessante Ansicht“ denkst, nimmst Du die Ladung aus allem, was Dich ansonsten treffen, verletzen oder aufregen würde. Du bleibst bei Dir und somit neutral. Und ich verspreche Dir hoch und heilig, dass das funktioniert. Ich übe diese Haltung schon eine Weile. Bevor ich “interessante Ansicht“ kannte, habe ich mit gewaltfreier Kommunikation reagiert. Damit war ich im Außen zwar politisch extrem korrekt unterwegs, aber frag nicht, wie es im Inneren dazu ausgesehen hat. Seit ich “interessante Ansicht“ benutze, bekomme ich keinen Puls mehr, wenn mir einer im Straßenverkehr seine Montags-Morgen-Laune angedeihen lässt, oder mir im Supermarkt quer kommt. Ja tatsächlich kommen viel weniger Leute überhaupt auf die Idee, mich mit ihren Bewertungen, ihrem Genörgel oder gar Angriffen zu erfreuen.

Dieses Werkzeug funktioniert nicht nur dann, wenn etwas aus dem Außen auf Dich einströmt, es funktioniert auch, wenn Du bei Dir selber entdeckst, dass Du gerade Dich oder andere bewertest. In dem Fall sagst Du einfach: „Interessante Ansicht, dass ich diese interessante Ansicht habe.“.
Denn:
Je weniger Du mit Projektionen, Bewertungen und Beurteilungen durch die Gegend gehst, um so weniger wirst Du ihnen ausgesetzt sein – das ist das Resonanz-Gesetz. Und wenn immer mehr Leute so agieren, dann wird es irgendwann so entspannt sein, als wären wir in der Natur. Weil auch wir aufgehört haben zu bewerten.
Das wär‘ schon verdammt cool, oder?

Ich grüße Dich von Herzen
Stefanie

Die Autorin, Stefanie Heidtmann, unterstützt Menschen in ihrer Praxis darin, wieder viel mehr sie selber zu werden. Gemeinsam mit ihren Klienten findet sie heraus, was diese noch von der Umsetzung ihrer Träume und Visionen abhält. Und sie übt – ganz praktisch und pragmatisch – wie man im Leben zu mehr „interessanten Ansichten“ gelangt.

* Liedzeile von The Jellyfish Kiss

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