Klare Entscheidungen treffen – Stefanie Heidtmann

Der 5-Punkte-Plan gegen Zweifel – schneller klare Entscheidungen treffen

„Eigentlich will ich jetzt gar nichts mehr!“

Auf dem Tisch liegen Reisekataloge.

Urlaub buchen nervt.

Ist „Eigentlich will ich jetzt gar nichts mehr!“ eines Deiner Hauptgefühle, wenn es um das Thema “Klare Entscheidungen treffen“ geht?

Keine Lust mehr auf ewige Recherchen und Abwägen bis die Sonne untergeht?

Dieser Artikel gibt Dir den 5-Punkte-Plan gegen Zweifel und Zaudern.

Wenn Du gerne leicht & spontan Entschlüsse fassen würdest, dann solltest Du weiterlesen.

Salat oder Pizza zum Mittagessen ist sicherlich weniger folgenreich als Peter verlassen oder in der Beziehung bleiben. Aber egal welche Tragweite Entscheidungen haben können, sie zu treffen kann echt frustrierend sein.
Eine Menge von Informationen macht es nicht unbedingt leichter. Je mehr Du weißt, um so schwerer entscheidest Du Dich. Ich könnte jetzt so entscheiden, ja aaaaber ….

Kennst Du denn die Ursache dieser Zerrissenheit?
Ich schon.
Es quatschen zu viele Stimmen mit.
Manchmal im Außen. Meistens aber in Deinem Kopf. Das fühlt sich an, wie in einem gut gefüllten Theatersaal bevor die Aufführung beginnt. Hohes Grundrauschen und ab und zu ist Einer lauter. Dieses Wirrwarr zu hören macht völlig kirre.

Weißt Du, wem diese Stimmen gehören?

Sie gehören Deinen Eltern, der Gesellschaft, den Kollegen.

Du hörst sie Zeit Deines Lebens und bist Dir dessen nicht gewahr.

Du denkst, diese Stimmen seien Deine Gedanken.
Große, große Fehlannahme!
Es sind nicht Deine Gedanken! Dein Kopf ist ein vollbesetzter Saal mit fremden Ansichten – mehr dazu im Exkurs.

Das Grundproblem

In unserem Kopf findet das Denken statt. Gehen wir an ein Problem also mit dem Kopf heran, bekommen wir als Lösungsweg auch Grübeln und Denken vorgeschlagen.

Nun sitzt Du also da, mit Deinem Kopf, dem vollbesetzten Saal voller Ansichten und Meinungen und drehst Dich im Kreis mit Deiner Entscheidungsfindung.
Was tun?

Die Lösung

Es gibt neben dem Kopf / Intellekt, viele weitere Ebenen, die uns bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Die Kunst ist, diese Intelligenzen wahrzunehmen, damit Sie Dir überhaupt helfen können.

In diesem Blogartikel gebe ich Dir heute einen Weg, um in 5 Schritten aus dem Kopfkinochaos raus zu kommen. Sozusagen der 1.-Hilfe-Kasten der Entscheidungsfindung.

1. Innehalten und Bestandsaufnahme

Welche Argumente sind im Raum für Deine Entscheidung? Es gibt z.B. die klassische Plus- / Minus-Liste. Und vermutlich hast Du so was in der Art bereits gemacht. Z.B. mit den Checklisten der IHK, falls Du überlegst Dich selbständig zu machen. Oder Du hast am Telefon mit Deiner besten Freundin die Vor- und Nachteile einer Trennung von Deinem Partner bereits zig mal durchgekaut.

Es hat Dich nicht zum Ziel gebracht. Nur das Grundrauschen im Theatersaal wurde lauter. Stimmts?

Das liegt daran, dass Du bislang nur den Kopf genutzt hast. Aber so verkehrt ist die Murmel ja nun auch wieder nicht, denn Du kannst die Liste bzw. Deine Pro- und Contra-Argumente gut nutzen für den zweiten Schritt.

2. Identifiziere die Sprecher

Schau‘ Dir die Gründe an und finde heraus, von wem sie stammen.
Z.B.: “Wenn Du jetzt noch mal was Neues anfängst, dann kriegst Du eine ganz schlechte Rente.“ Das ist die Stimme der Versicherungswirtschaft.
Oder: „Wenn Du Dich jetzt von Jörg trennst, dann bist Du eine schlechte Mutter (Stimme Deiner Eltern) die alleinerziehend in den Ruin gehen wird.“ (Stimme der Gesellschaft).

Natürlich kann ich das auch bei weniger spektakulären Entscheidungen überprüfen. Nimm das Schenken von Weihnachtsgeschenken.
„Wenn Du Deinen Lieben nicht mindestens dies und das schenkst, dann werden sie denken, sie seien Dir nichts wert.“

Diese Stimme ist besonders perfide. Denn es ist nicht so einfach den Sprecher ausfindig zu machen.

Aber ich gebe Dir einen Tipp:
Das ist der Typ, der tief in Dir drinnen sitzt und nichts anderes zu tun hat, als alles zu kritisieren und zu hinterfragen, was Du tun möchtest. Er schnappt jegliche kollektive Angst und Missstimmung auf, um sie Dir postwendend als Deine Gedanken zu verkaufen.

(Wichtiger Hinweis: Dieser Zweifler bist nicht Du – mehr darüber unten im Exkurs.)

3. Mach‘ Dich frei vom Publikum

Jetzt, wo Du eine Idee davon hast, wie viele Leute bei Deiner Entscheidungsfindung mitreden wollen, machst Du Dich frei von Ihnen.

Das geht so:

Setze Dich an einen klaren Ort. Das kann Dein Schreibtisch sein, Deine Lieblingsbank oder Dein Bad. Egal. Hauptsache Du verbindest diesen Ort mit Klarheit.

Dann schließt Du die Augen und verbindest Dich in Deiner Vorstellung mit der Erde. Das kann so aussehen, dass aus Deinem Steißbein heraus eine Verbindung bis tief in die Erde besteht. Und dann stellst Du Dir vor, dass oben aus Deinem Kopf heraus eine Verbindung bis ins weite Universum eingerichtet wird.

Wenn sich das am Anfang geschauspielert anfühlt – macht nichts, wir haben ja ohnehin Theater in Deinem Kopf, nicht wahr?

Nun atmest Du ruhig und bis tief in den Bauch. Beim Einatmen machst Du den Bauch kugelrund und beim Ausatmen flach (meistens machen wir es genau andersherum!).

Atme ein und stelle Dir jetzt all‘ die vielen Quatschnasen in Deinem persönlichen Oberstübchen vor und sage beim Ausatmen mit Nachdruck:
„Ich lasse los!“.

Es geht weniger darum, dass Du die Technik 1a beherrscht. Es geht darum, dass Du es willst.

Du willst und entscheidest, dass all‘ die vielen Stimmen nun schweigen.

Du musst wollen, dass die Stimmen schweigen.

Wenn Du es wirklich willst, dann klappt es auch in der vollen U-Bahn oder Kantine. Es ist einfach für den Anfang leichter, es an einem ruhigen Ort zu üben.

4. Fühlen statt denken

Nachdem Du diese kraftvolle Entscheidung getroffen hast, lenkst Du Deine Aufmerksamkeit wieder bewusst auf die beiden Verbindungen. Die starke, erdige Verbindung nach unten in die Erde hinein und die lichte, leichte und offene Verbindung nach oben ins Universum. Du spürst, dass Du an andere Wissensquellen angebunden bist, außer die in Deinem Kopf.

Widme Dich dem Thema das Dich bewegt und sei damit.

Nur sein.

Gehe nicht zurück ins Denken, das hatten wir schon.

Spüre, wie sich Dein Körper anfühlt. Spüre, wie Du Dich mit dem Thema fühlst.

Nicht denken! Nicht interpretieren!

Dieser Teil ist der wichtigste, um Deine zu treffende Entscheidung in ein neues Licht zu rücken.
Warum?
Weil Du so zulässt, dass andere Intelligenzen auftreten und gehört werden können. Du hast das Publikum zum Schweigen gebracht und eröffnest so die Bühne zu Bauchgefühl & Co.
Diese anderen Intelligenzen sind nicht so laut, schnell und clever wie unser Intellekt. Deshalb überhören wir sie. Außerdem werden diese Fähigkeiten in der Schule nicht gefördert. Sie werden uns eher abtrainiert. So dass wir vor lauter Gequassel auf den Rängen gar nicht mehr mitbekommen, wenn die wahren Stars auf die Bühne treten.
Aber ab heute hast Du dieses Spiel durchschaut und kannst etwas anderes wählen!

In diesem Zustand kannst Du nun deine Wahrheit herausfinden:

Entweder Du spürst es eh schon. Dadurch, dass Du fühlst und Deine Achtsamkeit ganz bei Dir ist, kann es sein, dass Dir die richtige Entscheidung wie Schuppen von den Augen fällt.

Oder Du unterstützt Deine Entscheidungsfindung mit der Technik der hilfreichen Fragen.

5. hilfreiche Fragen:

Hilfreiche Fragen heißen so, weil es keine intellektuellen Fragen sind.
Hilfreiche Fragen unterstützen Deine Verbindung zu Dir und Deiner stimmigen Entscheidungsfindung. Es sind Fragen wie:

  • Was würde MIR wirklich Freude machen?
  • Was fühlt sich im Herzen stimmig an?
  • Wobei wird mein Sein ganz groß und weit und wobei zieht es sich zusammen?
  • Wie fühlt sich mein Leben in 5 Jahren an, wenn ich mich so entscheide?
  • Welche Wahl ist der größte Beitrag in meinem Leben?
  • Womit habe ich die größte Wirkung auf mein Wohlbefinden?
  • Was dient mir (meiner Beziehung / der Gesellschaft / der Natur ….) am meisten?

Diese Fragen werden dadurch beantwortet, dass Du eine Wahrnehmung hast. Ich benutze dieses diffuse Wort, denn die Antwort kann sich auf vielerlei Arten zeigen.

Es könnte sein, dass Du etwas fühlst. Z.B. Leichtigkeit und Freude → die zeigen den Weg. Oder auch Wut und Ärger → da nicht lang.
Es könnte sein, dass Du ein Bild vor Deinem geistigen Auge siehst → es zeigt Dir die Antwort auf die Frage, die Du bewegst.
Ich selber komme in eine bestimmte Stimmung. Das ist nicht fühlen von Gefühlen, es ist eine Wahrnehmung von Expansion und Erleichterung, wenn es die richtige Entscheidung für mich ist. Und wenn die Entscheidung anders ausschauen sollte, dann fühle ich eine Art Stein im Bauch oder ich spanne Muskeln an.
Ich weiß von Klienten, dass sie die Antworten im Kopf hören. Andere spüren sie.

Sei hier völlig offen, wie Deine Intelligenzen mit Dir Kontakt aufnehmen wollen. Durch unsere Prägung, kann es sein, dass Dir das zu Beginn nicht so leicht fällt. Doch je offener Du bist, um so schneller kommst Du an Deine innere Weisheit heran (lies dazu: Mehr Glitzer und Freude im Alltag – eingefahrene Denkmuster verlassen).

Zu Beginn dieser Art und Weise Entscheidungen zu treffen, wird es Dir häufig begegnen, dass in dem Moment, in dem Du bereit bist zu spüren und fühlen, Deine Stimmen wieder laut werden. Und insbesondere diese eine, die Stimme des Bedenkenträgers und Skeptikers. Daher schreibe ich hier einen Exkurs über genau diesen Schwarzmaler.

Exkurs: Wer ist dieser Zweifler?

Wie oben schon erwähnt, gibt es eine Stimme in Deinem Theatersaal, die ständig Bedenken anmeldet. Sie erzählt Dir etwas über Angst, die Du haben solltest. Und sie äußert Kritik, malt auf, was alles schief gehen kann. Sie ist es auch, die, wenn Du end-lich eine Entscheidung getroffen hast, Dir Gewissensbisse macht und nachtarockt.

Du kennst diese Stimme schon soooo lange. Sie meldet sich so oft. Sie ist vertraut. Und ich nehme Dir jetzt eine Illusion weg:

Diese Stimme bist nicht Du.

Auch wenn Du davon im Moment felsenfest überzeugt sein solltest.
Aber: Diese Stimme hat ihren Ursprung im Geschwätz der anderen.

Lass‘ mich Dir diesen Zusammenhang darstellen:

Als Kind sind wir sehr stark Ängsten anderer Menschen, primär unserer Eltern ausgesetzt. Diese Ängste tarnen sich mit dem Wort Sorge und werden uns täglich übergestülpt.
Was in diesen Momenten geschieht, ist eine Projektion der Ängste der Menschen, die sich Sorgen machen, auf das Kind.
Das Kind selbst ist noch ein sehr unverdorbenes Wesen mit einem riesigen Sein und steigt darauf mit zwei Reaktionen ein:

1. helfen

Es will dem Projektor helfen, seine Angst los zu werden. Also wird es sich so verhalten, dass der Projektor keine Sorgen mehr haben muss. Es passt sich an. Hält den Mund. Sitzt still. Macht Hausaufgaben. Spielt ein Instrument. Ist brav und gibt dem Onkel ein Küsschen.

2. übernehmen

Kinder haben noch ein feines Gespür für Stimmungen und Schwingungen. Sie fühlen sich wohl, wenn Harmonie und Kooperation vorherrschen. Sie sind empathisch und beitragend. Und sie tun viel dafür, damit das so bleibt.
Wir wollen dem anderen seine Last abnehmen. Das ist urmenschliche Empathie und der Glaube an die eigene Stärke.

Z.B. Scheidungskinder: Sie wählen lieber die Rolle des Verursachers des Streits zwischen den Eltern, um so in die vermeintliche Position zu kommen, den Zwist zu beenden, als dass sie ein Elternteil dafür beschuldigen würden.

Das Dumme ist, dass uns niemand darüber aufklärt, dass wir das von Kindesbeinen an tun. Und so behalten wir unbewusst den ganzen Müll der anderen Menschen in unserem Orbit und sind irgendwann nicht mehr in der Lage zu unterscheiden: Was davon ist eigentlich überhaupt meins?

Und ganz persönliches Beispiel: Ich habe mich durch ein komplettes Jura-Studium mit zwei Staatsexamina geackert, nur weil ich vergessen hatte, dass ich das gar nicht selber gewählt habe. Es gab einige Hinweise schon im Grundstudium, dass dies nicht mein Weg ist. Aber ich habe meine anderen Intelligenzen nicht gehört. Wenn ich schlecht drauf war (was ein Hinweis darauf ist, dass eine höhere Intelligenz versucht Dir was beizubringen), bin ich zum Sport oder zum Kellnern gegangen. Beides war besser als wahrzunehmen, dass ich im falschen Studium stecke (Autsch!). Ich habe mein Bauchgefühl und meine höhere Wahrnehmung betäubt und weggedrückt. Meine Stimmen lauteten z.B.: „Was man angefangen hat, muss man durchziehen.“ „Wer Abi hat muss auch studieren.“ „Wenn Du dann das Examen hast, verdienst Du mal viel Geld.“

Alle diese Gedanken und noch viele, viele mehr, waren nicht meine Gedanken. Aber sie hielten mich im Jura-Hamsterrad gefangen. Bittere Erkenntnis, oder?

Drum glaube mir, wenn ich Dir sage:

Im Zweifel ist der Zweifler nicht Deine Stimme!!!

Je öfters Du versuchst mittels der Schritte 1. – 5. in Achtsamkeit zu Dir zu kommen, um so mehr wirst Du merken, dass da was dran ist.

Mutig ausprobieren

Nun kennst Du die 5 Schritte, wie Du zu einer Entscheidungsfindung gelangst.

Sie lauten:

  1. intellektuelle Liste der Argumente machen
  2. Sprecher in Deinem Kopf identifizieren
  3. Publikum zum Schweigen bringen mit: „Ich lasse los.“
  4. fühlen statt denken
  5. ggf. hilfreiche Fragen stellen

Und dann gilt es das, was Du spürst, mutig umzusetzen.
Es wird sich am Anfang komisch anfühlen. Aber es lohnt sich!

Denn so getroffene Entscheidungen haben eine sehr breite, kraftvolle Basis.

Schreibe gerne in die Kommentare, welche Entscheidung Du aus dem Fühlen heraus getroffen hast und inspiriere so andere, es Dir gleich zu tun!

Herzlichst

Stefanie

Über die Autorin:
Stefanie hat den Ruf der inneren Stimme nach kurzem Dasein als Rechtsanwältin nicht mehr überhören können. Seither bringt sie ihren Klienten bei, wie auch diese mehr dem Bauch vertrauen lernen. Einer ihrer Lieblingssätze ist: „Das fühlt sich gut an. Das mache ich.“.

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